Was zuerst auffällt sind die klaren Farben, ungemischt, aber
in unendlichen Variationen. Leuchtend, hell, klar voneinander abgegrenzt
stehen Rot gegen Blau, Gelb gegen Grün vor monochromen Hintergründen,
die keinen perspektivischen Raum schaffen, sondern eine flächige
und theatralische Bühne freigeben, vor die der Maler seine
Aktionen setzt. Die Formen sind ebenfalls klar komponiert und aufs
einfachste reduziert. In strengen Umrissen lässt er Blumen
blühen und Bäume wachsen, mal rund als blauen Kreis vor
rotem Hintergrund, mal mit stilisierten Blättern, schräg
ins Bild gesetzt, Früchte fallen ab, er malt die Sonne, wie
es Kinder tun, als runden Kreis am Himmel, vor allem und immer aber
malt er Menschen.
Leslie de Melo wurde 1953 in Dar-es-Salam in Tansania geboren
und kam als junger Mann nach Wien, um hier zu studieren. Wirtschaft
zunächst, aber bald schon Bildhauerei bei Franz Xaver Ölzant.
Sein Studium schloss er 1992 mit Auszeichnung ab. Seit 1990 stellt
er aus und die Liste seiner Ausstellungen, aber auch seiner Teilnahme
an Kunstsymposien, ist lang und eindrucksvoll und reicht weit
in die Welt. Stipendien (Chicago), Preise (Sussmann Stiftung und
BMWF) und öffentliche, sowie private Ankäufe sind äussere
Zeichen der Anerkennung seiner Kunst.
Es gibt kaum eine Technik, mit der Leslie de Melo noch nicht gearbeitet
und experimentiert hat. die Zeichnung ist ihm wichtig, einerseits
als Vorarbeit für die Ölbilder, aber auch als eigenständiges
Medium, bis hin zu einer Installation „Papier ist geduldig“,
wo er lange Papierbahnen von einer Wand über den Boden zur
anderen legte und das Publikum sozusagen gestaltend mitspielen musste.
Mit der Skulptur setzt er sich in allen Techniken auseinander, er
arbeitet mit Holz, Ton, Gips, Stein und Eisen – geschmiedet
und geschweisst – er schneidet Baustahl und baut filigrane
gefässähnliche Formen. Er schafft strenge Raumskulpturen
und Grenzziehungen, wie beim Bildhauersymposion in Andau beispielsweise,
aber auch höchst vergnügliche Figuren, Menschen natürlich,
aber auch seinen berühmten „Fox-Trott“ ein fuchsähnliches
Tier, das allerlei Unfug anstellt. Er klebt bemalte Folien auf Glasscheiben
und bildet seltsame „Kronen“ aus gebranntem Ton, und
er setzt gekonnt Licht und Akustik ein. Alles was ihm begegnet,
jede Beobachtung, jede Erfahrung und jeder Traum, jede Erinnerung
und jede Sehnsucht dient ihm als Basis für eine künstlerische
Aussage und dafür ist ihm jedes Material recht, wenn auch seine
intensivste Auseinandersetzung und Beschäftigung dem Medium
der Ölmalerei gilt.
Die Frage nach dem „woher“ stellt sich – kommen
diese Ornamente und Symbole aus seiner ehemaligen Heimat? Sind sie
Teil seiner biografischen Geschichte, kann man sie also einordnen
in eine Reminiszenz an Afrika und Indien, sind es Elemente sowohl
der indischen wie der christlichen Symbolik, oder gehören sie
nicht zu jenen, die weltweit verstanden werden, nur in Zeiten der
intellektuellen Kunstauffassung verloren gegangen sind? Berühren
sie deshalb so unmittelbar, weil sie eben nicht in den aktuellen
Kunstdiskurs passen, sondern aus uralten Quellen schöpfen,
die genau jenes wortlose Erkennen möglich machen, das wir der
bildenden Kunst und der Musik verdanken und das nicht einem bestimmten
Kulturkreis zugerechnet werden muss, sondern dem allgemeinen Bedürfnis
nach Liebe und Geborgenheit, nach verstanden- und akzeptiert werden
entspricht?
Die „Form gebiert die Form“, ist Leslie de Melo überzeugt,
im menschlichen, geistigen und künstlerischen, und er will,
dass das Wissen um unser aller Ursprung, verbunden mit Erfahrung,
Verantwortung und hohem technischen Können bewahrt wird. So
versteht er sich in bewusster Naivität und Unschuld als Mittler
zwischen den Welten.